Verfasst von: joanemarie | 04/07/2008

Potsdam auf dem Wege

Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, schon vom „Venedig des Nordens” gehört?

So wurde die Stadt Potsdam in früheren Zeiten wegen seiner wunderschönen Lage am Wasser genannt.
Über mehrere Jahrhunderte haben hier die preußischen und deutschen Könige geherrscht und viele berühmte Architekten, Wissenschaftler, Maler, Musiker, Kunsthandwerker und Gartengestalter ihre Handschrift hinterlassen.
Auf Schritt und Tritt können wir ihren Spuren begegnen.

Gleichzeitig blicken wir auf eine bereits mehr als tausendjährige Geschichte der Stadt zurück,
die älteste urkundliche Erwähnung Potsdams ist auf den 9. Juli 993 datiert, in der geschrieben stand, dass die Orte Poztupimi (Potsdam) und Geleti (Geltow) von Otto III. der Äbtissin Mathilde von Quedlinburg geschenkt wurden.
Es ist mir nicht möglich und auch nicht beabsichtigt, eine derart lange Geschichte der Stadt aufzuarbeiten, aber aus aktuellem Anlass möchte ich doch einige Seiten und Beiträge über das alte und gegenwärtige Potsdam in meinen Blog einfließen lassen.

Vor wenigen Wochen wurden die Potsdamer aufgerufen, sich an einer Neuformulierung des „Potsdamer „Toleranzedikts“ nach den heutigen Herausforderungen des Lebens zu beteiligen und zu formulieren, welche Punkte für sie unbedingt “für ein weltoffenes und tolerantes Potsdam“ hineingehören sollten.
Das ist ganz bestimmt kein leichtes Thema.
In der Geschichte war es der Große Kurfürst, der am 29. Oktober 1685 das „Edikt von Potsdam“ verabschiedete, das u.a. den aus Frankreich vertriebenen evangelischen Hugenotten eine neue Heimat und die Tolerierung unterschiedlicher Glaubensrichtungen gewährte. Der legendäre Satz Friedrich des Großen „…ein jeder möge hier nach seiner Fasson selig werden“ hat bis heute eine gewisse Berechtigung. Damals waren die neuen ausländischen Einflüsse an Kultur und Kunst, aber auch für die wirtschaftliche Entwicklung des bisher so armen Brandenburg- Preußens von großem Vorteil, man denke nur an die böhmischen Weber, die russischen Militärmusiker der Kolonie „Alexandrowka“ u.a.
In den Neunziger Jahren waren es mehr und mehr die Jüngeren, die der Arbeit halber von Potsdam wegzogen und ihren Einfluss national und international in anderen Gegenden der Welt ausübten. Die Heimat zu verlassen, war für sie sicher kein leichter Entschluss. Gegenwärtig ist Potsdam eine der wenigen ostdeutschen Städte, wo die Einwohnerzahlen wieder zunehmen, zur Zeit sind es ca.150000 Einwohner. So viele waren es noch nie im Verlauf der Geschichte. Doch zunächst möchte ich Ihnen noch Einiges zur Stadt Potsdam in Erinnerung bringen.

Es gibt in Potsdam und seinem Umland mehr als 20 Schlösser, ja es ist eine einzige Wasser- und Gartenlandschaft. Das Park –und Schlösserensemble von „Sanssouci“ von P. J. Lenné ist das größte nördlich der Alpen und wurde von der UNESCO zum Bestandteil des Weltkulturerbes erklärt.
Viele Künstler wie Bach, Mozart, Goethe und Schiller, aber auch berühmte Philosophen, wie Voltaire machten bei Friedrich dem Großen ihren Besuch und musizierten bzw. philosophierten in toleranter Atmosphäre im Marmorsaal des Neuen Palais oder in den kleineren Räumen des Schlosses Sanssouci.
Aber auch in anderen Schlössern, wie dem Schloss Babelsberg oder dem Schloss Cecilienhof wurde Geschichte geschrieben. Dazu später mehr.
Potsdam ist aber auch in anderer Hinsicht ein bedeutender Kulturstandort.
Seit 1911 begann in Potsdam – Babelsberg die Entwicklung der Filmproduktion. Berühmte Künstler, wie Asta Nielsen, Emil Jannings, Marlene Dietrich, Hans Albers u.a. haben mit der Ufa viele Filme geschaffen.
Auch nach 1945 wurde die Filmproduktion mit der DEFA fortgesetzt mit Filmen wie „Die Mörder sind unter uns“ oder „Spur der Steine“. Schließlich wurde in den fünfziger Jahren auch die erste ostdeutsche Filmhochschule in Babelsberg gegründet. Viele der heutigen Filmemacher hatten hier studiert.
Potsdam ist auch als ein Ort der Wissenschaften zu benennen. Mit dem Wirken von Alexander von Humboldt und Hermann von Helmholtz begann Anfang des 20. Jahrhunderts eine interessante Entwicklung der Astronomie, der Luftfahrt, oder schließlich auch vor einigen Jahren die Arbeit des Institutes für Klimafolgenforschung. Es ist unmöglich, alle Forschungsgebiete zu nennen und Institutionen aufzuzählen, die in Potsdam beheimatet sind.

Quellen:

“Potsdam und Umgebung” Pdm. Touristik und Marketing GmbH 1998

“Potsdam 2000-Geschichte-Menschen-Visionen” Festschrift für die Stadt Potsdam zur Jahrtausendwende 1000 “1000 Jahre Potsdam” Blätter aus der Stadtgeschichte , Märkische Volksstimme, 1989

Fortsetzung:

Nun liegen die 10 Thesen des neuen Potsdamer Toleranzediktes im Entwurf vor:

1. “Nur demokratisch, tolerant und aufgeklärt kann heute noch auf die großen zivilisatorischen Probleme in sozialer und ökologischer Hinsicht reagiert werden”.

2. “Weltoffenheit und Toleranz bedingen sich: Die Entwicklung der eigenen Urteilskraft im Gespräch mit anderen ist die Grundlage einer lernfähigen Demokratie. Niemand wird als Demokrat geboren”.

3.” Der Freiheit und Toleranz erwachsen heute in verschiedener Hinsicht – ökonomisch, sozial und kulturell – neue Aufgaben, die nicht geringer, sondern größer werden”.

4. “Liberaler Schein ist noch keine liberale Wirklichkeit. In vielen Debatten fehlt es an Toleranz”.

5. “Die Stadtbürgerschaft ist eine Einwohnerbürgerschaft, die Kinder und Jugendliche ebenso umfasst wie alle Ausländer”.

6. “Grundlage urbaner Toleranz ist die Verteidigung der Stadt gegenüber den Feinden der Demokratie”.

7. “So wie die Toleranz eine Konsequenz der Freiheit ist, ist die Solidarität eine Konsequenz der Toleranz”.

8.” Potsdam ist reich an Möglichkeiten, die zu mehr Toleranz und Solidarität geradezu verpflichten. Wir könnnen heute zugleich freier und reicher, solidarischer und toleranter sein”.

9. “Eine neue Bürgerschaft fällt nicht vom Wertehimmel, sie bildet sich in Konflikt und Kooperation, Wahrnehmung und Neugierde, Unverständnis und Gespräch”.

10. “Statt zu stören, ist gelebte Vielfalt ein Grund, stolz auf die eigene Stadt zu sein.”

Die Potsdamer sind nun dazu aufgerufen, sich mit diesen 10 Thesen auseinander zu setzen.

Quelle: “Toleranz und Weltoffenheit ? “
aus: Kundenmagazin der Stadtwerke Potsdam GMBH, Ausgabe 2/2008


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