Verfasst von: joanemarie | 04/21/2008

Ein Haus auf 4 Rädern – Unsere Reise nach Norwegen vom 30.05. -21.06.04 Teil I

Skandinavien in der Zeit der Mitternachtssonne, schöne Landschaften und einsame Gegenden zu erleben, das war das Ziel unserer großen, abenteuerlichen Urlaubsreise mit dem Caravan. Die organisatorischen und technischen Vorbereitungen der Fahrt beschäftigten uns schon Monate voraus. Schließlich fuhren wir sogar Anfang Mai für 5 Tage zur Probe an Nord- und Ostsee, um uns mit dem Gefährt vertraut zu machen.
Am 30.5.- der Pfingstsonntag- war dann die Abfahrt, obwohl es mir zunächst schwer fiel, meine vielen Blumentöpfe im Wintergarten zu verlassen (wurden alle in den Garten geräumt) und den Koffer für einen Kuraufenthalt unseres Sohnes vorzubereiten, der nach Pfingsten losgehen sollte.
Gegen 21.00 Uhr passierten wir die schwedische Grenze bei Malmö schwer beeindruckt von der gerade erst vor wenigen Jahren fertig gestellte Öresundbrücke, die uns auf schnellste Weise nach Skandinavien brachte und uns die Weiterfahrt auf schwedischer Seite ermöglichte.
Unser nächstes Etappenziel war, angeregt durch die Urlaubspläne meines Bruders, ein Campingplatz namens “Ursand” bei Vänersborg am Vänersee. Bis Oslo waren es noch 275 km, aber das schöne Wetter verlockte uns, den Pfingstmontagnachmittag mit einem Sonnenbad und einem Spaziergang am See ausklingen zu lassen.
Quelle: khnemo

Dabei erfuhren wir, dass der Vänersee der drittgrößte See nach dem Ladogasee und dem Onegasee (beide in Russland) in Europa ist. Die langen Schatten der Sonne gegen 21.30 Uhr sollten uns von nun an öfters während unserer Reise begleiten. Wir fuhren von nun ab durch ein im Grunde bis Sibirien zusammenhängendes und vom Menschen fast unberührtes Waldgebiet.
Die Weiterfahrt bis zur norwegischen Grenze war zur damaligen Zeit etwas mühselig, überall Straßenbauarbeiten, sicher als Folge der Öffnung der Öresundbrücke für den Skandinavienverkehr. In Norwegen selbst folgten wir der Fernverkehrsstraße E6, die uns langsam (man durfte ja nur 80 kmh fahren, dafür aber sicher nach Bodø (unserem Ziel, dem Fährterminal zu den Lofoten)bringen sollte.
Für einen Besuch der Hauptstadt nahmen wir uns keine Zeit, ja es wäre bestimmt auch sehr schwierig gewesen, mit dem Caravan durch die City zu fahren. So folgten wir unserer Straße, gewöhnten uns an die vielen Mautstationen und beschlossen, unser nächstes Etappenziel am Mjøsasee,
den Campingplatz Tangen anzusteuern.
Da die Saison gerade erst begann, bekamen wir einen Platz direkt am Wasser und verbrachten bei herrlichem, sonnigen Wetter den Nachmittag mit Angeln und einem Sonnenbad. Was das Angeln anbetraf, hatten wir zwar eine von Freunden geliehene Hochseeangelausrüstung mit, aber bisher noch keinerlei Erfahrung, was dazu führte, dass sich die Angelhaken des öfterem an den felsigen Untergründen des Ufers verhakten und einer von uns ins Wasser musste. Es sollte noch bis zu den Angelaktivitäten meines Mannes auf den Lofoten dauern, bis er die ersten Lachse für die Küche gefangen hatte. Angesichts der Weite des Landes, beschlossen wir, trotz der schönen Lage des Platzes, weiterzufahren, gemäß dem Motto “Der Weg ist das Ziel”.
Unsere Reise auf der E6 führte uns als Nächstes nach Lillehammer ins Reich von Peer Gynt, dem Tal “Gudbrandsdalen” und schließlich nach Trondheim. Oft genug waren wir versucht, vom Weg abzubiegen und die vielen schönen Sehenswürdigkeiten am Sognefjord oder Geirangerfjord zu besuchen.
Aber das wird eine andere Reise. Wir wollten auf die Lofoten und in den Norden Norwegens.
In Lillehammer selbst blieben wir wegen der Hitze des Vormittags und unserer dafür nicht vorgesehenen Bekleidung nur ein paar Stunden, sportliche Aktivitäten auf den Schanzen waren nicht zu sehen, so begnügten wir uns mit einigen Prospekten und Ansichtskarten.
Eine ausgewiesene Holzstabkirche in Favang war leider nur zu den Gottesdiensten zu besichtigen. Mein Mann schwärmte während der ganzen Fahrt entlang des Mjøsasees, der bei Lillehammer endete und eines Flusses, der sich durch das “Gudbransdalen” schlängelte, von den herrlichen Angelmöglichkeiten.

“Der Mjøsasee” Skizze von Jürgen Günther

Doch erstmal sollte gewandert werden. Wieder fanden wir einen Campingplatz ganz privat bei einer Familie in Harpefoss auf ihrem Grundstück, wo wir die einzigen Gäste waren. Noch am Abend, gegen 18.30 Uhr fuhren wir mit dem Auto, ohne Hänger, auf der anderen Seite des Tals zum markierten “Peer Gynt-Veien“, wo der Überlieferung nach H. Ibsen gewandert sein soll und wo er viele Ideen für den Roman Peer Gynt und sogar in Gestalt eines Bauernjungen die Person der Hauptfigur fand. Etwas enttäuscht waren wir über die horrenden Mautgebühren zur Benutzung einer Privatstraße, hoch in den Bergen. Diese sollten in ein am Rande der Straße angebrachtes Holz- Kästchen, ähnlich einem Vogelhäuschen, mit angegebener Adresse und der Autonummer gelegt werden, ohne dass uns jemand dafür ein Billet als Nachweis ausgehändigt hätte. So verzichteten wir kurzer hand auf die bestimmt sehr beeindruckende Natur entlang dieser Privatstraße, wir wollten uns auch keinerlei Verstöße der norwegischen Touristenvorschriften zu Schulden kommen lassen und begnügten uns mit den tollen, vorhandenen Ausblicken des Gebirges. Den schönen Abend rundeten wir mit einer Flasche Wein ab, die wir erfolgreich von Deutschland mitgebracht hatten und einer heißen Dusche in den Kellerräumen unserer Wirtsleute. Um 23.30 Uhr war der Himmel immer noch hell.
Am Morgen, es war inzwischen schon der 03.06.04, verpackten wir in Windeseile Tisch und Campingkram, bezahlten für die Übernachtung und ab ging die Fahrt in Richtung Trondheim.

Ca. 250 Km lagen vor uns. Nach einer kurzen Rast in Oppdal führte uns die E6 übers Hochgebirge. Die Landschaft wurde baumlos, nur noch Moose, Flechten und Moore soweit das Auge reichte. In der Ferne lagen riesige Berge, alle noch schneebedeckt (wir durchquerten gerade das Dovrefjell und das Rondanegebirge), durch das Fernglas aber gut zu erkennen. Weit und breit kein Mensch, bis auf die Fahrzeuge, denen man hin- und wieder auf der E6 begegnete. Nach dem Hochgebirge waren es noch 90 km bis Trondheim. Die Landschaft weitete sich und sah etwa so aus wie in Niederbayern. Unser auserwählter Campingplatz namens “Flakk” lag auf einer kleinen Halbinsel ca. 12 km vor Trondheim, direkt am Trondheimfjord, ideal zum Angeln für meinen Mann. Leider waren keine Boote zu vermieten. Dafür bekamen wir über Carina, meine Westhighlandterrier-Hündin, schnell Kontakt zu 2 Ehepaaren aus Schleswig – Holstein, die mit ihren Wohnmobilen neben uns standen. Abends sahen wir, wie ein Kreuzfahrtschiff majestätisch, mit Girlanden hell erleuchtet, im Trondheimfjord dahin glitt, ebenso am Morgen ein Schiff der Hurtigrute. So könnte man zukünftig auch mal Urlaub machen und bis zum Nordcup fahren. Doch noch waren wir die Ritter der Landstraße! Mein Mann ging abends noch angeln, während ich etwas filmte und ihn teilweise beobachtete. Nicht ohne eine Spur von Angst, denn er stand waagehalsig an der Spitze der Hafenmole auf den Klippen und war zeitweise von mir noch nicht mal zu sehen. Lediglich unser Hund war bei ihm, sah dem Herrchen verwundert zu und wartete auf etwas Fressbares. Auch dieses Mal gab es noch keinen Fisch, sondern nur verhedderte Angelschnüre und die Erkenntnis, dass auch Angeln gelernt sein will.

“Die Mitternachtssonne am Trondheimfjord”

04.06.04 Wir entschieden uns für’s Weiterfahren, obwohl es uns auf dem Campingplatz sehr gefiel. Die Zeit des Tages wollten wir nutzen, um weiter nach Norden voran zu kommen.
Vormittags fuhren wir mit “Sack und Pack” am Wasser entlang nach Trondheim, parkten direkt im Zentrum und sahen uns vor allem den Nidarosdom, die Altstadt sowie den Jachthafen an, bummelten durch die Stadt, wobei mir auffiel, dass das Stadtbild durch viele junge Leute geprägt wurde. ( eine der nördlichsten Universitäten befindet sich in Trondheim)

“Alte Handelshäuser in Trondheim”

Die Stadt machte auf uns einen sehr netten, ja sogar südlich geprägten Eindruck. Für uns Autotouristen gab es aber auch Parkvorschriften und Mautstellen in großer Zahl, so dass wir uns bei der Abreise gegen 13.00 Uhr in Richtung Narvik schon über eine eingesparte Mautgebühr gefreut hatten. Ein paar hundert Meter von der Stadtgrenze entfernt trafen wir auf eine “Pompstelle” und zahlten rückwärts für das Befahren der Stadt. Dann löhnten wir noch für einen Tunnel und weiter ging unsere Reise.

Mein Mann hatte einen Angelsplin im Kopf. So fuhren wir zu einer Stelle im Trondheimfjord, wo der Straumen (Strömung) bei Ebbe und Flut, besonders bei Flut so groß sein soll, dass man gar nicht ohne Fisch nach Hause kommen könne. Also fuhren wir entsprechend der Tipps der Angelzeitschrift “Angeln in Norwegen” auf die Insel “Inderoy” nach “Vangshylla“, wo es in dem engen Sund zwischen “Moswich” und “Inderoy” soviel Straumen und Fisch geben soll, dass man es nicht aufessen kann. Gegen 14.30 Uhr waren wir am alten Fähranleger am Ende der Insel angekommen und sahen gleich, wie einige Männer in Fischermontur kübelweise Fisch anbrachten.

Wir erfuhren, dass der Platz hauptsächlich von einem Anglerverein genutzt wurde, der spezielle Angelreisen verkaufte und mit den Touristen mit Booten hinaus auf den Fjord zum Angeln fuhr. Dementsprechend waren auch die Fangergebnisse.
Mein Mann versuchte gleich am Nachmittag sein Anglerglück, aber sein Einsatz war nicht von Erfolg gekrönt; nass und mit kalten Händen kam er zurück.
Auch sein nochmaliger Versuch, kurz vor Mitternacht, wenn der Stand der Flut am höchsten wäre, (nach den Tipps, die uns ein alter Deutscher mit ca. 70 Jahren gab, der neben uns in einem alten, umgebauten VW-Bus hauste und jedes Jahr für mehrere Monate nach Norwegen fuhr), brachten ihm nichts weiter ein als eine Seegurke o.ä. Ich kam mir schon vor, wie Fischer’s “Fru” mit Sorgen, dass ihm was passieren könnte, wenn man bedenkt, wo er angeln wollte. (sehr steiler und felsiger Abhang)
Eine Stunde später war er zurück, mit eiskalten Händen und Füßen, aber irgendwie glücklich….

Am nächsten Tag wollten wir nun aber unserem eigentlichen Ziel etwas näher kommen und nicht soviel Zeit für’s Angeln vertrödeln.

05.06.04 Es regnete den ganzen Tag, so dass wir nichts weiter tun konnten, als fahren, fahren, fahren. Anfangs probierte ich auch mal meine Autofahrerkünste für eine kleine Wegstrecke aus, aber im Wesentlichen hatte mein Mann die Aufgabe, uns schon fast bis zum Polarkreis voran zu bringen. Die Touristenatraktionen “Formofoss und Fiskumfoss” Wasserfälle und Lachstreppen)ließen wir wegen des schlechten Wetters ausfallen. Die junge norwegische Mitarbeiterin des Lachsaquariums erklärte uns auch, dass die Lachse ja erst im Juli und August die Treppen hinauf springen, so dass sich der Einsatz von Zeit und Geld für ein paar vereinzelte Lachse nicht lohnen würde.
Bei Moi – Rana hielten wir an einer Raststätte, vertraten uns die Beine, fotografierten und waren von den vielen Bergen, die alle noch ein weißes Kleid trugen, sehr nachdenklich beeindruckt. Ja es kam noch schlimmer.
Infolge des schlechten Wetters waren wir in den Abendstunden gezwungen, auf einem Parkplatz , zusammen mit anderen Caravanfahrern, Engländer und Holländer, anzuhalten und gemeinsam die Nacht abzuwarten. Wir überlegten schon, ob wir die Reise über Schweden in Richtung Heimat fortsetzen sollten.
Unser Sohn sollte sich deshalb zu hause in Deutschland im Internet diesbezüglich nach den Wettervorhersagen für Nordnorwegen erkundigen. Demzufolge sollte es in Tromsø in den nächsten 3 Tagen stark regnen, in Trondheim und in Schweden dagegen die Sonne scheinen. Am nächsten Morgen war aber wieder schönes Wetter und wir beschlossen, weiter zu fahren. In der Nacht, ca. um 24.00 Uhr konnten wir noch einige sehr schöne Wolkenbilder fotografieren. Trotzdem gefiel uns das “Vagabundieren” in der freien Natur, ohne Wasser und Strom und ohne Erreichbar zu sein. Wasser holten wir uns übrigens von einem in der Nähe rauschendem Wasserfall, ein solches klares Wasser hatten wir dann noch oft gefunden.
Am Morgen sahen wir dann wieviele Kraftfahrer mit ihren Fahrzeugen diesen Rastplatz für die Nacht gewählt hatten, bevor die Fahrstrecke wiederum durch’s Hochgebirge ging. Der neue Abschnitt führte uns über Moi- Rana zum Polarkreis und schließlich gegen 19.00 Uhr nach , wo wir erfuhren, dass es um 21.00 Uhr noch eine Fähre zu den Lofoten gab.

“im Polarkreiszentrum”

Die verbleibende Zeit nutzten wir, um endlich mal was zu essen.
Den ganzen Tag lang nahmen wir uns dafür keine Zeit. Immer hatten wir so viel zu sehen, zu fotografieren und auch immer wieder zu fischen.
Durch Zufall bekamen wir von einem Touristen den Angeltipp am Saltstraumen-Mahlstrom,der an unserem Weg nach Bodø lag.

Möwen am Saltstraumen- Mahlstrom”

Bei “Flut” werden die Wassermassen so stark durch den schmalen Fjord gedrückt, dass sich sogar gewaltige Strudel und Strömungen bilden, in deren Sog unzählige Fische in den Fjord kommen. Das ist für die Angler, Sportfischer und Schaulustige, sowie für hunderte von Möwen ein solches Spektakel und Leckerbissen, dem man sich nicht entziehen kann. Während sich mein Mann wieder für eine gute Stunde mit seiner Angel unter die Sportfischer mischte, hatte ich fast einen ganzen Film nur von Möwenbildern geschossen . Jedes Bild war schöner als das vorhergehende. Um die Fähre nicht zu verpassen, mußten wir uns gegen 18.00 Uhr von diesem wunderschönen Schauspiel verabschieden.


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