Da sollten wir einige Tage Urlaub machen? Und da sollten Menschen wohnen? Plötzlich war die eisige See in gleißendes Sonnenlicht getaucht, das durch eine Falte in der Lofotwand die Wolken zerteilte, was uns das kalte Wetter vergessen ließ.
Gegen 0.30 Uhr kamen wir in Moskenes an, wählten gleich den 1. Campingplatz neben dem Hafen und sicherten unseren Wohnwagen für die verbleibende Nacht.
Der Morgen begrüßte uns mit Sonne. Als einzige Camper hatten wir freie Auswahl auf die schönsten Plätze, gleich hinter den Felsen mit Blick aufs Meer und auf die Hafenbucht von Moskenes. Die Möwen begrüßten uns ganz zutraulich, kamen bis auf die Felsenmauer vor dem Wohnwagen herangeflogen, in der nicht unbegründeten Hoffnung, bald Futter von den neuen Touristen zu erhalten. Von den entgegenkommenden, aufmunterungsvollen Worten unseres Campingplatzbetreibers , wo man und welche Fische man hier gut fangen könnte, ließ sich mein Mann nicht viel Zeit zum Schauen, sondern los ging es, zum Fischen, die mehrere Meter messende Felsenmauer hinunter an’ s Wasser. Auf einigermaßen Rufweite konnte ich nachfragen, ob er was gefangen hätte.
Insgesamt 8 stattliche Exemplare an Fisch waren das stolze Ergebnis, die nun von mir geschlachtet werden mussten. Als Kind hatte ich das bei meiner Mutter lernen müssen, außerdem gab es ja noch die Möwen, die sich mit ihrem Geschrei immer wieder in Erinnerung brachten.

Am Nachmittag fuhren wir an die Südspitze von „Moskenes“, nach „Å“. Dieser Ort wird wirklich nur mit einem Buchstaben geschrieben, „Å”…wir wanderten im Ort und auf dem Felsplateau der Südspitze umher, von wo aus man die kleinen Inseln Røst und Vaerøy ( Vogelinseln) sehen konnte. Überall auf den Inseln sahen wir Trockengestelle von „Stockfisch“,dem Dorsch,eine hier immer noch vorherrschende Methode des Haltbarmachens der Fangergebnisse von Dorsch im Winter. Jetzt im Juni wurden die Gestelle abgeräumt und der Fisch verkauft, sogar bis nach Afrika(die Fischköpfe).
Danach fuhren wir nach Reine, einem sehr hübschen kleinen Fischerdörfchen, direkt am Fjord gelegen und eingebettet in die schwarzgrauen Basaltfelsen der Lofoten- Bergriesen.
Voller Begeisterung von dieser kleinen, malerischen, nordischen Ortschaft zückten wir schnell unsere Kameras, um festzuhalten, was die Natur an Farbspielen hervorbrachte.
Die Fährüberfahrt hatte uns finanziell in die Klemme gebracht. So beschlossen wir, auf der Suche nach einer Bank, vom Campingplatz in Moskenes wieder abzufahren, 30 km bis Ramberg und dann nach Svolvaer.
Hinter Flakstad eröffnete sich uns eine weite Bucht mit Sandstrand, wo wir eine etwas längere Rast gönnten, ehe wir gegen 17.00 Uhr weiterfuhren. Das Wasser lud zum Baden ein, war aber jetzt im Juni noch lausig kalt, nur die Einheimischen würden hier baden gehen, hieß es. Andere Touristen erzählten auch, dass es in anderen Jahren im Juni schon viel wärmer gewesen wäre. Nach dem Mittagessen sprach uns eine Touristin an, die mit einer Busreisegesellschaft aus Baden- Württemberg unterwegs war,…. sie käme ursprünglich aus Alttöplitz und wurde in Potsdam getraut.Das war schon ein bewegender Moment , hier oben, ganz im Norden Europas, jemanden aus der Heimat zu treffen.Dann ging die Fahrt auf der E 10 weiter. Alle 5 Inseln der Lofoten sind inzwischen mit Brücken und Tunneln miteinander verbunden. Am Abend kamen wir kurz vor Svolvaer in einer schönen Bucht am Campingplatz Lyngvaer an , wo wir wieder für 2 Tage bleiben wollten.
Auf unserer langen Fahrt quer über die Inseln der Lofoten hatten wir viele schöne Kameramotive zu Gesicht bekommen, die wir natürlich alle auf unser Film- und Videomaterial bannten.
(Quelle : Khnemo)
Schönere Urlaubsmitbringsel kann es kaum geben. Da wir uns schon 10 Tage in Norwegen befinden, müssen wir nun langsam an die Heimreise denken, doch zunächst wollen wir noch einen Tag diesen schönen Campingplatz genießen. Während der Wohnwagen unter der Mithilfe von 2 anderen deutschen Urlaubern in die richtige Position ausgerichtet werden musste, da die Wiese leicht abschüssig war, habe ich bei der Ankunft um 22 Uhr noch schnell die gerade zwischen den Bergen hervorscheinende Mitternachtssonne auf dem Video eingefangen. Wenige Minuten später war sie bereits wieder hinter den Bergen und dicken aufziehenden Wolken verschwunden.
Am Morgen erkundeten wir zunächst Henningsvaer, wo uns besonders das türkis- farbige Wasser des Fjords beeindruckte. Überall sahen wir wieder die Trockengestelle für Stockfisch, aber auch , was vor allem mein „Blumenherz“ erfreute, die Farben des zeitigen Frühlings mit roten und gelben Tulpen .
Danach fuhren wir nach Svolvaer, sahen uns das Zentrum und den Hafen an und waren über die farblichen Gegensätze zwischen den weißen und roten Häusern und den schwarzen Bergriesen sehr begeistert. Aber am meisten interessierte uns, wo wir unsere Gasflasche , die inzwischen leer und damit die Hälfte unseres Gasvorrates verbraucht war, wieder füllen lassen konnten. Die Auskünfte waren allesamt negativ. Nur in Tromsø oder vielleicht noch in Narvik würden deutsche Gasflaschen befüllt, ansonsten müsse man eine norwegische Flasche Propan kaufen. (Inzwischen weiß ich, dass es dafür einen Adapter für den Schraubverschluss geben soll.)
Zum Schluss besuchten wir für eine Tasse Kaffee noch den Touristenort Kabelvag mit dem Berg Vågakallen, kauften herrliche Postkarten mit der Mitternachtssonne und kehrten schon in Gedanken an die Weiterfahrt auf den Campingplatz zurück. Wie als Lohn für das Aushalten in der Kälte belohnte uns Clara am Abend mit noch schöneren Bildern der Mitternachtssonne, so dass meine Filmkamera und der Fotoapparat emsig zu tun hatten. In Gedanken an unsere noch lange Weiterreise trennten wir uns von diesen schönen Landschaften der Lofoten, nicht ohne den Gedanken, eines Tages wieder her zu kommen, und wenn auch nur um zu angeln, was mein Mann inzwischen auch bei Wind und Wetter sehr leidenschaftlich tat.
10.06.04 Wieder wurde gepackt, der Wohnwagen für die Fahrt vorbereitet, allen Lebewohl gesagt und es sah schon so aus, als presche mein Mann geradewegs zur Fähre nach Fiskebøl, aber meine Protestrufe, wir hätten doch noch Urlaub, führten schließlich dazu, dass wir am Austnessfjord anhielten; zunächst nur als kurze Rast geplant, wurde es doch für uns ein sehr schöner Tag, zumal die Sonne schien, ein bomben Wetter mit herrlichem blauen Himmel vorherrschte und eine einmalig schöne Landschaft in einem Talkessel von Bergen mit Wasser und der Kirche von Sildpollen unsere Sinne verzauberte.

An der Anlegestelle der Fischerboote hatte mein Mann dann Lachse entdeckt, die er vom Steg aus und in dem glasklaren Wasser sehr gut angeln konnte. 6 Lachse waren das stolze Ergebnis, die uns die Abreise zunächst vergessen ließen. So fuhren wir erst um 16.30 Uhr weiter zur Fähre . Die Überfahrt auf die Vesteralen verging sehr schnell. Eine viel mildere Luft und andere Landschaft empfing uns. Wir verließen die schroffen Berge und fuhren am Fjord entlang durch sonnenüberflutetes Land, am Wegesrand wurde in kleinen Gärten und Feldern Gemüse angebaut.
Neueste Nachrichten von den Lofoten:Ab 01.12.2007 wurde die E 10 um ein Straßenstück verlängert und damit die Anbindung der Lofoten an das Festland ermöglicht.
Gegen 20.30 Uhr hatten wir an einem schönen Rastplatz mit weitem Blick auf den Fjord Abendbrot gegessen, natürlich Lachs; der Wohnwagen war durch die Sonneneinstrahlung warm genug, um die Tür auf- und die Heizung aus zulassen. Es war eben sommerlicher.
Kurz nach 23.00 Uhr verschwand der Sonnenball hinter den Bergen, aber noch um 0.30 Uhr, vom Bett aus, sah ich, dass die Bergspitzen immer noch in helles Sonnenlicht getaucht waren und an Schlaf eigentlich nicht zu denken war. Der Campingplatz am Sigerfjord wo wir gelandet waren, hatte noch nicht einmal geöffnet, (erst ab Mitte Juni, wenn Hochsaison ist), was uns eigentlich nicht störte, bis darauf ,dass es keinen Strom gab. Bis auf den Akku meiner Kamera kamen wir aber ganz gut ohne Strom aus!
Lautes aufgeregtes Knurren unseres Hundes am Morgen zeigten uns ,dass wir hier in der Wildnis der Vesteralen nicht ganz allein waren. Ein Polarfuchs umstreifte den Wohnwagen in einem gewissem Abstand. Weiter ging unsere Fahrt auf der E 10, Narvik entgegen. An der Grenze zu Schweden, in Riksgränsen sahen wir, dass der See noch zugefroren war und wir inzwischen kaltes Kontinentalklima hatten. Wir fuhren durch menschenleeres, einsames, fast kahles Land. Unterwegs, am Abisko-Nationalpark gab’s Abendbrot, es war zu einsam um zu übernachten und so fuhren wir wieder viele, viele Kilometer, bis wir auf einem Rastplatz gegen 21.00 Uhr einige Wohnmobile sahen, die hier offensichtlich zu nächtigen gedachten. Kurz entschlossen stellten wir uns dazu und erlebten nach einem kurzen „Hallo“ wie wir in kürzester Zeit mit den norwegischen schwedischen, finnischen und auch einem deutschen Touristenpaar ins Gespräch kamen. Mit etwas Englisch und ein wenig Deutsch ( die Älteren konnten noch einige deutsche Worte) klappte die Verständigung bestens so das wir am Lagerfeuer einen schönen Abend erlebten. Alle wollten wissen , woher wir kamen und wo wir zu Hause sind….bis wir zu guter letzt auch noch im November, wenn die Zeit des Nordlichtes und der schneebedeckten Berge ist, nach Kiruna eingeladen wurden. Das konnten wir uns aber überhaupt nicht vorstellen, von wegen der Kälte und lehnten dankend ab. Wir bekamen aber von ihnen noch einen schönen Urlaubstipp, das Icehotel. So fuhren wir am nächsten Tag einige wenige Kilometer bis Kiruna, waren von der verunstalteten Landschaft durch den Erzabbau sehr erschüttert und suchten die Abfahrt zum Geheimtipp: Icehotel.
In einer Zeitung las ich vor kurzem, das die Schweden für den Erzabbau die ganze Stadt Kiruna samt aller Gebäude um einige Meter umsetzen wollen. Was muss das für die Bewohner Kirunas bedeuten?)
Mein Mann hatte im Reiseführer von einem kulturellen Standort der Samen in der Nähe von Kiruna namens Jukkasjärvi gelesen; wir besichtigten die älteste Kirche Lapplands (erbaut um 1607/08). Hinter der Kirche fanden wir am Ufer des Torne-älvs eingezäunt eine kleine Rrentierherde, sicher für Touristenshows und am Ortseingang von Jukkasjärvi war dann auch die große Anlage des Icehotels zu besichtigen,die mit zu Schwedens größten Touristenattraktionen zählt. Seit der Entstehung des Unternehmens im Jahre 2003 kommen viele ausländische Eiskünstler hierher, um in einer großen Eishalle ihre Kunstwerke aus Eisblöcken des Torneälvs zu hauen für Gäste des Hotels die in Iglus schlafen unter eisigen Bedingungen mit Schlafsack bei -7°C während draußen ca. -40°C sind.
In der Eishalle besichtigten wir bei -3°C in warme Pelzumhänge verpackt die ersten Kunstwerke aus Eis, tranken heißen Tee aus Eisgläsern an der ganz aus Eis bestehenden Bar und waren sowohl von der Musik, den wiederhallenden Geräuschen, wie in einem Eisberg, und vor allem von den vielen Icefiguren begeistert. Die Vorführung dauerte etwa eine Stunde, leider nur in Englisch, so dass ich doch etwas Mühe hatte, alles zu verstehen. Der Zufall wollte es, dass wir ein paar Tage später auf einem Campingplatz in der Nähe von Umea, am Bottnischen Meerbusen ein Berliner Pärchen trafen, die auch von den Lofoten kamen und schon zum 2. Mal im Winter im Icehotel bei Kiruna gewesen waren, sodass ich den Teil des englischen Textes ,den ich nicht so richtig verstanden hatte, mir noch mal erzählen lassen konnte. Gegen 14.00 Uhr fuhren wir auf der E10 weiter ,um möglichst noch bis Jokkmokk zu kommen. Die Fahrt verlief zügig, aber sehr einsam. Kaum ein Fahrzeug begegnete uns, am Straßenrand dagegen hatten wir des öfteren grasende Rentierherden, auch junge Elche als Zuschauer. So mussten wir trotz der leeren Straße höllisch aufpassen. Kurz vor Jokkmokk trafen wir bei einer Rast an einem See die Schweden wieder, mit denen wir am Lagerfeuer geschwatzt hatten. Schnell entspann sich eine herzliche Atmosphäre; bei Kaffe und Keksen mit der Landkarte in den Händen erfuhren wir viel über Wohnmobile einerseits und den Urlaubsmöglichkeiten in Schweden für uns, und in Deutschland für die Schweden ,ja wir tauschten auch unsere Adressen, luden uns gegenseitig ein und schieden schließlich als gute Freunde. Wieder ging die Fahrt auf dem Mittelweg durch Schweden, der Straße 45. Zur Erinnerung an den Polarkreis, den wir bei Jokkmokk wieder überschritten hatten bzw. auch an Lappland kauften wir uns ein frisch erjagtes, noch nicht behandeltes Rentierfell.
Unsere geplante Rücktour auf der E 45 über den Storumansee mussten wir wegen schlechten Wetters und sehr schlechtem Straßenbelag ändern. Wir fuhren als auf der E 12 zum Bottnischen Meerbusen über Umea und Sundvall, hielten unterwegs an einer Raststätte an der „Höchstküste“, um nach dem Essen auf die von der Unesco ins Weltkulturerbe aufgenommenen felsigen Berge zu klettern und uns das Meer von oben anzuschauen. Einen Tag später erreichten wir Uppsala. Diese Stadt war mir von vielen historischen Büchern meines Vaters schon immer etwas bekannt gewesen. So fuhren wir am Nachmittag ins Zentrum und sahen uns das Schloss und den Dom an, wo Gustav Vasa begraben liegt. Am nächsten Tag ging es nach Stockholm, nur 65 Km von Uppsala entfernt. Der Campingplatz „Bredäng “ am Mälarsee lag weit außerhalb der Stadt, also fuhren wir gegen Mittag ins Stadtzentrum und suchten zunächst einen Parkplatz, was nicht einfach war. Stockholm zählt noch zu den ganz wenigen Städten Europas, die noch einen großen zusammenhängenden Stadtkern aus der Renaissancezeit haben. So war es ein Genuss, die vielen alten Palais und Bürgerhäuser bis hin zum Hauptschloss der Royals anzusehen, auch wenn uns die Zeit für eine intensivere Stadtführung fehlte. Die Infrastruktur der Innenstadt mit der Altstadt und der Neustadt war für uns schon mächtig imposant und nicht so leicht zu begreifen. Der Verkehr brodelte wie in einem Hexenkessel. Trotzdem haben wir uns nach dem Besuch des Vasa-Museums, wo wir uns nur ca. eine Stunde aufhalten konnten und gern noch länger geblieben wären, wenn wir nicht im Halteverbot gestanden hätten, wieder zurück auf den Campingplatz gefunden und haben beim Abendspaziergang gegen 20 Uhr die Seenlandschaft Stockholms bewundert.
Obwohl wir gern noch länger geblieben wären, drängte es uns doch weiter gen Heimat zu fahren; der Weg von Stockholm bis Helsingborg betrug ca.553 km. So wollten wir noch mal einen Zwischenhalt am Vättersee einlegen, bevor wir am nächsten Tag bei Malmö wieder über die Öresundbrücke fuhren.
Unseren letzten Tag verbrachten wir auf der Halbinsel Mön in Dänemark in Erinnerung früherer Urlaubstage. Die späte Abendsonne beglückte uns gegen 22 Uhr noch einmal mit ihren Strahlen und wir nahmen Abschied von Skandinavien.










