Verfasst von: joanemarie | 07/23/2008

China

China – Ein Land im Aufbruch

Spätestens jetzt, ein paar Wochen vor der Eröffnung der olympischen Spiele in China ist es wohl an der Zeit, sich mit dem „Reich der Mitte“, seiner umfangreichen Geschichte und seiner großartigen Kultur zu beschäftigen, um dieses Land besser zu verstehen und gewisse Vorurteile, die es durchaus gibt, abzubauen. Das Land gehört zu den ältesten Zivilisationen der Welt. In den vergangenen Jahrzehnten hatte die Weltbevölkerung aber immer nur das Bild des kommunistisch geprägten Chinas vor sich…. Selbst in der DDR, ja auch einem sozialistischem Staat, spielte nicht Kunst und Kultur der Chinesen eine bedeutende Rolle, sondern vorwiegend die Politik seit der Kulturrevolution von Mao Zedong und seiner Staatsdoktrin. Die Mao- Bibel stand auch in unserem Bücherschrank!
In Filmen wie „der letzte Kaiser“ oder „die Geisha“ erfuhren wir nach der Wende viel über die Geschichte und Kultur von China bzw. Japan. Selbst chinesisch essen gehen, konnten wir erst nach 1990. So war ich zum Beispiel sehr erstaunt, dass die Terracotta- Armee des 1. Chinesischen Kaisers bereits 1974 entdeckt worden war, für die Ostdeutschen zu damaliger Zeit – unbekannt.

Die Terracotta – Armee des 1. Chinesischen Kaisers (259 – 210 v.Chr. in Xian ) Quelle: Regba

Im Sport, dem Wohnen bzw. in der Medizin zogen neue Formen asiatischer Lebensformen ein, wie zum Beispiel Feng Shui und Qigong.
Dabei …“steht in der chinesischen Philosophie und Medizin das „Qi“ (wie „tchi“ ausgesprochen, nicht „ki“) sowohl für die bewegende als auch für die vitale Kraft des Körpers, aber auch der gesamten Welt. In der chinesischen Sprache hat es die Bedeutung von Atem, Energie und Fluidum…. „Gong“ als chinesischer Begriff bedeutet einerseits „Arbeit“, aber auch „Fähigkeit“ oder „Können“. Somit kann man Qigong übersetzen als „stete Arbeit am Qi“ oder auch als „Fähigkeit, Können, mit Qi umzugehen, es zu nutzen“.
Die Praxis des Qigong soll die Lebensenergie stärken, das Leben verlängern und zu einer gesunden geistigen Verfassung verhelfen.“ Quelle: Wikipedia
Beliebt ist auch Kung Fu.

Ebenso war die chinesische Gartenkunst weltweit sehr berühmt und beeinflusst auch immer mehr unsere Gärten und Freizeitstätten.

„Der Garten der Sinne“ in Shanghai
Quelle: Regba
chinesischer-drache-22
Unter dem Titel „Das Tor des Drachen“ gab es vor einer Woche in den Medien die Sendung „Terra X“ einen Beitrag zur Geschichte Chinas , der mich über die Entwicklung des Landes bis in die Neuzeit sehr beeindruckt hat. Auch der 2. Teil über die „Verbotene Stadt“ in Peking war sehr sehenswert.

Vor dem Palast des Kaisers in Peking Quelle: Regba

Der Himmelstempel in Peking“ der Himmelstempel in Peking“ Quelle: Regba

Wenn man von China spricht, redet man eigentlich von einem ganzen Kontinent, mit einer Flächenausdehnung von 9,6 Mill.km². Das Land ist in 22 Provinzen unterteilt, die in der Bevölkerungszahl und der Fläche europäischen Staaten entsprechen , dazu kommen 5 Autonome Gebiete (z. B. Tibet oder die innere Mongolei), die großen regierungsunmittelbaren Städte wie Peking, Shanghai, Chongqing, Tianjin, hier leben allein schon 1,3 Mrd. Menschen und schließlich noch die Sonderverwaltungszonen, wie Hongkong und Macao. Allein in der Provinz „Henan“ leben über 90 Mill. Einwohner. Eine so große Bevölkerungszahl hat kein europäischer Staat.

„Blick auf Chongqing“ Quelle: Regba
Diese Stadt wurde für die durch den Bau des „Drei – Schluchten – Staudamms“ umgesiedelten Chinesen, ca. 1,5 Mill. Menschen erbaut.
Landschaftlich gesehen erweist sich China auch als ein Land der Extreme, die typischen, klischeehaften Vorstellungen vom Land mit den endlosen Reisfeldern findet man nur noch selten. Einerseits nimmt das Hochland von Tibet fast ein Viertel der Gesamtfläche des Landes ein, etwa 1,5Mio.km² entfallen auf die weiteren Hochgebirge , die Wüsten „Xinjangs“, im Nordwesten Chinas und die mongolischen Grassteppen im Norden. In der Manschurai gibt es mit -50C° die kältesten Winter, während im äußersten Süden auf der Insel Hainan tropische Temperaturen( liegt auf der Höhe der Südsahara) vorherrschen. Dazwischen liegen an der Ostküste des Pazifiks eingebettet die fruchtbare landwirtschaftlich genutzte Tiefebene Chinas und die großen Megacitiys von Peking bis Shanghai. Es ist das jahrtausendealte Kernland der chinesischen Kultur.
Die großen Ströme des „Gelben Flusses“ und des „Yangzi Jiang“, mit 63oo km Chinas längster Fluss und der 3.Längste der Welt münden hier in den Pazifik und versorgen mit ca. 700 Nebenflüssen ein Viertel der chinesischen Landwirtschaft.

„Der Drei – Schluchten -Staudamm am Yangzi Jiang“ Quelle: Regba

Hier ist es am dichtesten besiedelt, und hier boomt inzwischen die Wirtschaft des Landes.

In einer beeindruckenden Dokumentation des 1. dt. Fernsehens vom 28.07. lernte ich die Landschaft am Yangtse und die Probleme Chinas beim Bau des Drei Schluchten -Staudamms von Chongqing aus und den unwiederbringlichen Verlust von landschaftlicher Schönheit dieses Teils unserer Welt näher kennen.
Bis zum Jahre 2009 wird mit dem Staudamm das größte Wasserkraftwerk dieser Welt fertiggestellt, das, wenn alle 26 Turbienen arbeiten, 19mal mehr Strom erzeugt, als ein Atomkraftwerk und bereits jetzt schon 10% der Energiemenge bereit stellt, das China für seine rasant wachsende Industrie benötigt. Zudem soll der angestaute Jangtse auch die Fahrt ozeangängiger Schiffe bis weit ins Hinterland ermöglichen und Jahrhunderthochwasser verhindern. Das hört sich auf den 1. Blick noch ganz gut an, der Nachteil liegt aber auch auf der Hand, wenn man bedenkt, dass Geologen davor gewarnt haben, dass dass Gelände am Jangtse geologisch instabil sein soll und durch Bergrutsche, Erdbeben etc. stark gefärdet sein könnte. Der Stausee entwickelt sich immer mehr zur Kloake, wo sogenannte Müllfischer tagtäglich ca. 3 Tonnen voll Dreck und Müll aus dem Jangtse abfischen. Aber welchen Preis müssen die Chinesen dafür bezahlen?
Hunderte von Dörfern und bedeutenden Kulturdenkmälern wurden überflutet, 2 Mill. Menschen verloren ihre Heimat. „Aus dem einstmals reißenden Strom wird ein dahinsiechender See. Wo einstmals die Orangenhaine der Bauern blühten und schmuddelige Hafenviertel die Ufer säumten“,werden nun Megacitiys als Städte gebaut, in denen die ehemaligen Bauern ihrem Schicksal überlassen werden und sie nicht wissen, wovon sie leben sollen.
Quelle: „Chinas Größenwahn am Jangtse“ Fernsehdokumentation vom 28.07.08 von Thomas Widenbach
und SWR 2- Reporter Eggert Blum

Nach dem Tod von Mao Zedong 1976 öffnete sich das Land unter dem Wirtschaftsreformer und Politiker Deng Xiaoping mehr und mehr für Handel und Wirtschaft mit den westlichen Industrienationen.

Man besann sich auch wieder auf die eigenen Traditionen, die nach der Kulturrevolution verboten waren. Außerdem beschloss die Regierung 2006 ein Gesetz, dass sich Gesellschaft und Umwelt wieder harmonischer entwickeln sollen.

“ Im Garten der Sinne“ – Shanghai Quelle:Regba

Doch der Weg in die Moderne , der Umbau der Gesellschaft von der Agrarwirtschaft in das Zeitalter einer von Technologie und Elektronik gekennzeichneten Wirtschaft fordert auch sehr viele Einschnitte in das bisherige Leben der Bevölkerung, was sich in vielen Protestaktionen der einfachen Menschen Bahn bricht , während es andererseits heute schon sehr viele, besonders junge Menschen in China gibt, die von dieser Entwicklung profitiert haben. So kann man vielleicht davon ausgehen, dass China im Jahre 2050 eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt sein wird und wir ganz bestimmt noch sehr viel über dieses Land hören und kennen lernen werden.

Quelle: AOl- Reisen – China

http://reisen.aol.de/Reiseziele/Entdecken- Chinachinesische-drachen-1chinesischer-drache-22


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