Seite 8 der Potsdam – Bilder

Das rote Haus am Heiligen See /Potsdam, Quelle: Jousijous
Der Heilige See im Neuen Garten in Potsdam ist nicht nur im Sommer bei den Parkbesuchern ein sehr beliebter Ausflugs- und Anziehungsort.
Direkt am Ufer des Heiligen See’s ließ Friedrich Wilhelm II. von 1787 – 1792 im Stil des Frühklassizismus von Carl v. Gontard und Carl Gotthard Langhans (Erbauer des Brandenburger Tores in Berlin)das sogenannte Marmorpalais errichten. Er wollte, wie sein Vorgänger Friedrich II. in Sanssouci, hier in landschaftlich schöner Umgebung das Leben in Freuden genießen und war ein Förderer der Künste. Dementsprechend sollten die Schlösser in den Gärten von Potsdam und Umgebung von „Hoheit und Größe“ sein.
Der Name „Marmorpalais“ war erst später gebräuchlich, am Anfang wurde zunächst der würfelförmige Mittelteil des „Marmorhauses“ erbaut, dessen Baumaterial aus grauem schlesischem Marmor bestand, der von den Kolonnaden von Sanssouci, aus der Zeit Friedrich II. abgetragen wurde.
Von Schönheit und Größe waren auch die über 40 Innenräume, von Carl Gotthard Langhans, ebenfalls im Stil des Klassizismus mit englischer Innendekoration gestaltet .
Großen Einfluss auf die Einrichtung der Räume nahm die Mätresse des Königs, Wilhelmine Enke, genannt, „die schöne Wilhelmine“, die 1796 zur Gräfin Lichtenau ernannt wurde und das Palais Lichtenau in der Behlertstraße bekam.
2007 wurde das Haus an die Nachfahrin, Dr. Viola, Prinzessin von Hohenzollern,verkauft, die es bis ca. 2012 sanieren will. Es gibt in einigen Räumen Theateraufführungen des Hans- Otto-Theaters Potsdam.Nach dem Ende des II. Weltkrieges richtete die „Rote Armee“ im Marmorpalais ein Offizierskasino ein, ab 1962 wurde es ,völlig zweckentfremdet, als Armeemuseum genutzt.Vor dem Schloss stand neben anderen Waffen ein großer russischer Panzer , ein“T34″. In den Räumen gab es ebenfalls Waffen zu sehen. Nichts sollte mehr an die Amüsements und Verschwendungssucht des Königs erinnern.
Anfang der 90er Jahre wurde das Schloss aufwendig restauriert und seit dem 14.April 2006 waren alle 40 Innenräume sowie die Außenanlagen (seit 2008) wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.
Das Schloss Cecilienhof ( genannt nach der Kronprinzessin Cecilie) ist neben den Schlossbauten von Sanssouci das zweite wichtige Schloss in Potsdam und dem Neuen Garten.
Es wurde von 1912 – 1916 im Norden des Neuen Gartens am Ufer des Jungfernsees im Stil eines englischen Landhauses mit vielen Fachwerkteilen, vorspringenden Giebeln und unterschiedlichen Gebäudehöhen erbaut, nachdem man erkannte, dass das Marmorpalais als Sitz des Kronprinzenpaares viel zu klein gewesen war.
Seit der Wende ist dieser Teil des Neuen Gartens von besonderer landschaftlicher Schönheit, da man direkt auf das Wasser der Havel, den vorbeiziehenden Booten und das gegenüberliegende Ufer von Berlin und Klein-Glienicke blicken kann und zum Wandern, Dahinflanieren und zum Staunen über die Landschaft, ihren Durchblicken auf die Schlösser und andere bauliche Kunstwerke angeregt wird, das alles war uns vor 1990 versagt.
Im Schloss Cecilienhof fand vom 17. Juli -2. August 1945 die Konferenz der Regierungsvertreter der Sieger des 2. Weltkrieges (Antihitlerkoalition ) über Nazideutschland statt. Hier wurden von Stalin für die Sowjetunion, Truman für die USA und Churchill für Großbritanien das „Potsdamer Abkommen“ unterzeichnet. Es liegt mir fern, hier politische Gedanken mit einbringen zu wollen, nur das sei gesagt, dass vor 1990 das Schloss Cecilienhof und der Garten viel mehr zur politischen Meinungsdarstellung benutzt worden waren, als dass die Schönheit der Gartengestaltung eine Rolle spielte.
Mit der Landschaftsgestaltung des Gartens wurde der aus Dessau stammende J.A.Eyserbeck beauftragt und der Wörlitzer Park war gleichsam das Vorbild für die Neugestaltung der Parkanlage. Es galt, die seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts ausgehende Idee einer völlig neuen, ja revolutionären Gartenkunst umzusetzen, die weg vom strengen geometrischen System des barocken Gartens, einem neuen Naturideal zustrebte.
Das Regelmäßige sollte aus dem Garten verbannt werden und der natürliche Wuchs und die geschwungenen Linien der Wege dominieren. Dabei hatte die Chinamode eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Gleiches galt auch für die sonstigen viel kleineren Gebäude der Gartenanlage, wie z.B. der Gotischen Bibliothek( errichtet 1792/94), der Pyramide ( im Innern befand sich der Eiskeller der Schlossküche),der Holländischen Häuser und auch der ehemaligen Potsdamer Gartenhäuser, die nach ihrem äußerlichen Anstrich benannt wurden (Braunes, Weißes, Rotes und Grünes Haus) und dem Hofpersonal als Wohnungen dienten.
Auf der anderen Seite des Sees werden die schönen alten und neuen Villen von berühmten Potsdamer Bürgern wie W. Joop bewohnt.
Lit.: Hans-Joachim Giersberg, A.Schendel: „Potsdamer Veduten“, Stadt- und Landschaftsansichten vom 17. bis 20. Jahrhundert;
Potsdam – Sanssouci, 1981




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