Potsdamer Turmbauten

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Sigur Rós – Samskeyti ( Heima)

Auch in diesem Jahr finden in Potsdam die nun schon 30. Bachtage statt, und es ist eine schöne Tradition, damit dem Wirken von Carl Philipp Emanuel Bach seit 1740 bei Friedrich dem Großen und dem Besuch von Johann Sebastian Bach 1747 in Potsdam zu gedenken. Hatten doch gerade sie und später auch Joachim Quantz, Friedrichs Flötenlehrer, einen großen Einfluss auf die Musikentwicklung am Hofe Friedrichs des Großen, z.B. der Gestaltung der friderizianischen Konzerte mit bürgerlichen Musizierformen ausgeübt, wie auch der Entwicklung der europäischen musikalischen Klassik, die in der Herausbildung von Melodik, Harmonik und Formen der Instrumentalmusik den geistig- emotionalen Inhalten der anbrechenden neuen Zeit entsprachen.
So konzertierte J. S. Bach am 8. Mai 1747 auf der relativ kleinen Wagnerorgel in der 1945 zerstörten Potsdamer Heiligengeistkirche zum Thema „B A C H „, aus dem die berühmten Werke „das musikalische Opfer“ und „die Kunst der Fuge “ wurden.
Nachdem 1960 die Kirchenruine abgerissen und 1974 der Turmstumpf gesprengt worden war, begann seit August 1996 mit dem Bau einer Seniorenresidenz auf den Fundamenten der Heiligengeistkirche ein neuer Abschnitt der Geschichte der Potsdamer Turmbauten und mit dem Aufsatz der Turmspitze am 22. September 1997 wurde ein neuer Aussichtspunkt über Stadt und Landschaft geschaffen.
Auch die Potsdamer Garnisonkirche wurde 1945 zerstört und nach dem Krieg bis zum gegenwärtigem Zeitpunkt aus verschiedenen Gründen nicht wieder aufgebaut. Seit 1991 wurde der Stadt Potsdam auf private Initiative das Glockenspiel der Garnisonkirche übergeben, weitere Bemühungen um den Wiederaufbau gibt es, aber ohne sichtbaren Erfolg.

Gemälde von Gerhard Geidel

Als weitere für Potsdam bedeutende Kirche ist die Friedenskirche im Marlygarten im Park von Sanssouci zu benennen, in der am 13. September 2008 mit der Aufführung der Matthäuspassion von Bach das Abschlusskonzert der 30. Bachtage stattfinden wird.
Die Kirche wurde von 1845 – 1854 zuerst von Ludwig Persius im Auftrag von Friedrich Wilhelm IV. im Stil eines italilenischen mittelalterlichen Klosters gebaut und von dem Architekten F.A. Stüler vollendet.
Die evangelische Nicolaikirche auf dem Alten Markt wurde von 1830 – 1837 im Klassizistischem Stil von Schinkel, Persius und Stüler erbaut. Die Vorbilder für diese Kirche sind in Rom, Paris und London zu finden.

Quelle: Linolschnitt von J. Günther

Besondere Beachtung sollte die „Tambourkuppel“ finden. „Mit einer Höhe von 52 Meter bis zum Kuppelscheitel der gemauerten Innenschale nimmt die Tambourkuppel in dem… quadratischen… Zentralbau eine gewollt dominierende Stellung ein“. Eine solche Form der Kuppelgestaltung konnte ich vor einigen Jahren in Istanbul in der „Hagia Sophia“ und erst vor kurzem im Petersdom in Rom besichtigen. Darüber werde ich noch gesondert berichten. Es ist doch schon sehr bemerkenswert ,was es in früheren Jahrhunderten für große Baumeister gab und dass diese Bauwerke bisher den Stürmen und Verheerungen der vielen Kriege der Menschen so standgehalten haben, für uns eine Verpflichtung, diese Kunstwerke und unsere Erde insgesamt noch energischer zu beschützen.
Die preußische Toleranz kam auch in Kirchenbauten ausländischer Bürger in Potsdam zum Ausdruck. So findet man für die Hugenotten die Französische Kirche im Zentrum von Potsdam, die dem römischen Panthenontempel ähnlich ist, oder die Alexander- Newski-Gedächtnis-Kirche auf dem Kapellenberg, eine russisch- orthodoxe Kirche, die für die russischen Soldaten des Sängerchores der Kolonie Alexandrowka gebaut worden war.
Auch die barocke Friedrichskirche auf dem Weberplatz in Babelsberg gehört zu den Veranstaltungsorten der 30. Bachtage und wurde von 1752 – 1753 von Boumann für die böhmischen Weber erbaut.

Friedrichskirche in Babelsberg
Friedrichskirche in Babelsberg

In der Umgebung vom Potsdamer Stadtzentrum findet man auch noch andere sehr interessante Kirchbauten wie die Heilandskirche in Sacrow, die „Alte Kirche“ auf dem Neuendorfer Anger,von denen ich schon in anderen Beiträgen gesprochen habe, die kleine Insel-Kirche auf Hermannswerder, 1911 von den Gebrüdern Bolle erbaut im neugotischen Stil, gehört zur Hoffbauer-Stiftung und wird von den Potsdamern besonders gern zu Weihnachten besucht und die Bornstedter Kirche, die von Friedrich Wilhelm IV. nach Entwürfen auf der Rückseite einer Kabinettsorder vom 31. Mai 1847 von 1856 – durch Erweiterung des Chores- bis 1883 von August Stüler und Reinhold Persius erbaut worden war. (Hier ist aber das gesamte „Ensemble Krongut Bornstedt“ mit dem berühmten Bornstedter Friedhof- der älteste Grabstein stammt von 1599- eine Besichtigung wert und wurde deshalb ebenfalls in die Welterbekulturliste aufgenommen.

 

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