Historischer Streifzug d.Babelsberg I

Seite 4 der Potsdam – Bilder

zurück zu Seite 3

Babelsberg ist der größte Stadtteil von Potsdam und der eigentliche Lebensmittelpunkt von mir und meiner Familie.
Die geschichtlichen Wurzeln Babelsbergs gehen auf die frühen askanischen Bauerndörfer Neuendorf und Klein Glienicke zurück, die erstmals urkundlich im Jahre 1375 im Landbuch von Karl dem VI. erwähnt wurden.
In Neuendorf existierten damals ganze neun Bauernhöfe, in Form eines alten slawischen Rundlings angelegt, die neben der Acker- und Viehwirtschaft vor allem Fischfang in der Nuthe, die damals noch schiffbar war und auch im Griebnitzsee betrieben.

Der Große Kurfürst ließ im 18. Jh. in Neuendorf eine Glashütte bauen, wo der berühmte Alchimist Johann Kunckel (1630 -1707) das für Potsdam bekannte Rubinglas erfand. (1684) Ähnlich wie Johann Friedrich Böttger,der unter August dem Starken von Sachsen, Gold herstellen und stattdessen das Meißener Porzellan erfand, sollte auch Kunckel für Brandenburg nach Gold experimentieren. Die Ergebnisse seiner Arbeit, das Potsdamer Rubin- und Goldrubinglas, das weltberühmt und noch im 19 Jh. nach geheimen Rezepturen hergestellt wurde, waren dann 300 Jahre später der Beginn der Industriestadt Babelsberg. Der Name Kunckels dagegen geriet in Vergessenheit. Allein die „Glasmeisterstraße“ in Babelsberg und die Pfaueninsel, dem zeitweiligen Aufenthalt Kunckels, erinnert noch an diese vergangene Zeit.

Mit der Ansiedlung der böhmischen Weber in Nowawes durch Friedrich den Großen begann in Babelsberg die Spinn- und Webstuhl- Industrialisierung für den ansteigenden Armeebedarf. Die 1585 erbaute, alte kleine Fachwerkkirche auf dem Neuendorfer Anger konnte der gewachsenen Bevölkerungszahl von Nowawes und Neuendorf, zwischen 1850 und 1895 von 400 auf 4139 Einwohner, nicht mehr gerecht werden. Nach den Plänen König Friedrich Wilhelm IV. (1795 -1861 ) wurden deshalb zwei neue Kirchen auf dem Neuendorfer Anger gebaut,die sogenannte „Alte Kirche“ (1853) in Form eines Achtecks (Oktogon) und die wesentlich größere Bethlehemkirche (1899).

Die „Alte Kirche“ auf dem Neuendorfer Anger

Beide waren im II. Weltkrieg stark zerstört worden und die Alte KIrche blieb lange Zeit als Ruine auf dem Neuendorfer Anger bestehen, während die Ruine der Bethlehemkirche am 18. September 1952 gesprengt wurde. Erst um das Jahr 2000/2001 wurde der Neuendorfer Anger und die „Alte Kirche“ restauriert und ist
heute wieder in voller Schönheit zu besichtigen.

Klein Glienicke, zwischen Berlin und Potsdam gelegen, hatte ebenfalls eine lange und interessante Geschichte und früher als kleinstes märkisches Dorf in Brandenburg eine wichtige Rolle auf die Entwicklung von Babelsberg und der Preußischen Kulturlandschaft ausgeübt, so dass der Ort 1990 von der UNESCO mit in die Kulturerbeliste aufgenommen wurde.
Die Geschichte begann 1230 mit der Besiedlung durch den slawischen Volksstamm der Askanier , die als Jäger und Fischer an der Glienicker Lake, dem dicht bewaldeten, später benannten Babelsberg und dem Griebnitzsee hervorragende Bedingungen für ihr Leben gefunden hatten.

Lange Zeit war Klein Glienicke, das lediglich 7 Hufen umfasste, ein typisches märkisches Gutsdorf, bis es 1678 das Interesse des Großen Kurfürsten erweckte. Wegen des vielen vorherrschenden Wildes kaufte er das an die Glienicker Lake angrenzende Areal und ließ zwischen 1683 und 1684 ein Jagdschloss errichten.

Schloß Klein Glienicke

Dieses kurfürstliche Schloss ist die Keimzelle für die gesamte Kulturlandschaft zwischen Berlin und Potsdam, die uns bis heute erhalten geblieben ist.
In den folgenden Jahrhunderten nahm es eine wechselvolle Entwicklung. Teils diente es rauschenden Festen, andererseits war es auch eine zeitlang ein Lazarett für die „Langen Kerls“ unter dem Soldatenkönig.
Mit der Thronbesteigung Friedrich des Großen änderte sich wiederum die Entwicklung des Ortes. Das Lazarett wurde geschlossen, die „Langen Kerls“ des Soldatenkönigs aufgelöst und zwischen 1751 – 1759 Kolonisten, meist Gärtner, angesiedelt. Das Schloss ließ er 1759 an einen Juden , Isaac Levin Joel, verkaufen, der am Ort eine Wachstuchtapetenfabrik errichtete. Zusätzlich sollte er eine Maulbeerplantage anlegen, um die Seidenweber in Nowawes mit Material zu versorgen.

1827 erwarb der Königlich- Preußische Schulrat und Schulreformer Karl Christian Wilhelm von Türk (1774- 1846) das Jagdschloss, um ein Heim für die von ihm gegründete Potsdamer „Waisen- Versorgungsanstalt“ einzurichten. Der in Meiningen gebürtige von Türk, der u.a.1804 drei Monate bei Pestalozzi
(1746 – 1827 ) in der Schweiz studiert hatte, machte sich mit dem 1820/22 gegründeten Potsdamer Civil- Waisenhaus verdient. Er ist auf dem Friedhof von Klein Glienicke begraben.

1859 erwarb Prinz Carl von Preußen (1801 -1883), 3. Sohn von Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise, das Jagdschloss für seinen Sohn Friedrich Karl (1828 – 1885), ließ es im französischen Barockstil umbauen und schließlich wurde durch dessen Enkel 1889 -1890 noch ein wasserwärts sichtbarer Turm angebaut, der heute noch so sichtbar ist.

1939 ging das Jagdschloss und der Schlosspark in den Besitz der Stadt Berlin über. Nachdem es 1963 durch den Architekten Max Taut nochmals renoviert wurde, wird es seitdem als internationale Begegnungsstätte und Heimvolkshochschule genutzt. Durch den Bau der Mauer 1961 wurde der Ort zweigeteilt. Schloss und Park gehörten zu Berlin, während der Ort an sich als Ortsteil von Babelsberg zu Potsdam zählte und nun bis 1989 eine eingezäunte Enclave darstellte, die nur mit einer polizeilichen Genehmigung besuchbar war. Bei einem Blick über die Mauer während eines Verwandschaftsbesuches in Berlin (West) 1987 sah ich in einen  gespenstisch leeren und öden zum Aussterben verurteilten Ort .

Heute wird Klein-Glienicke wieder von vielen Touristen besucht, an die Grenze und ihre Belastungen auf die Einwohner erinnern nur noch einige Hinweistafeln. Der Besucher kann den historischen Ort mit seinen ursprünglich 10 Schweizer Häusern, (6 wurden beim Mauerbau abgerissen) 1863 erbaut von Prinz Carl für die Bediensteten des im Jagdschloss lebenden Sohnes, oder die nach Entwürfen von E. L. R. Persius (1835 -1912, Sohn von Ludwig Persius) 1881 erbaute kleine neogotische Backsteinkirche zu Gottesdiensten und schönen kleinen Konzerten kennenlernen und wird schließlich am Ende der Straße den alten Friedhof finden, ehe er wieder auf der Königsstraße ankommt, die Potsdam mit Berlin verbindet.

Quellen:

Karl-Heinz Otto: „Babelsberg“ Böhmische Weberkolonie Nowawes, Kaiserresidenz & Filmmetropole
Christa / Johannes Jankowiak: „Babelsberg“; Ein Ortsteil Potsdams, 1999

Seite 5

Einen Kommentar hinterlassen

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.